Das größere Bild



Ich rede zwar viel in der Werkstatt, male aber immer nur am konkreten einen Pinselstrich, ohne dass ich je über das größere Bild reden kann. Dann deute ich es kurz an, und jemand fragt sinngemäß: «Und was ist das größere Bild?», und ich stehe vor den Unmöglichkeit, in einer Minute eine Antwort zu geben.

Darum schreibe ich euch. Um einen ganz kleinen Teil des größeren Bildes zu malen.

Jede Methode wie Qigong, Yoga und Taiji ist in einem bestimmten Kontext für einen bestimmten Kontext entstanden. Ohne hier in Details zu gehen, ist eines sofort klar: Diese Methoden sind in einem anderen Kontext für andere Menschen entstanden. Das heißt natürlich nicht, dass sie für uns keinen Wert haben, sonst würden sie in der Werkstatt nicht angeboten, denn ich biete nichts an, was keinen Sinn macht, und mein Maßstab ist sehr hoch. Der Wert dieser Methoden in unserer Welt ist unermesslich und unersetzlich. Doch es kann sein, dass sie für unsere Zeit eine Ergänzung brauchen.

RIVERS

Nehmen wir das Becken. Wenn du im Taiji oder Qigong bist (zum Yoga komme ich gleich), hörst du immer wieder von mir, das Becken fallen zu lassen. Immer wieder, weil es immer wieder nicht klappt. Warum klappt es nicht, und warum soll es sinken? Ein nach hinten gekipptes Becken engt den unteren Teil der Wirbelsäule ein. Dadurch sind nicht nur Nerven-Wege eingeengt, die das Becken und die Beine betreffen. Gleichzeitig werden die Bandscheiben belastet, was eine Abnutzung zur Folge haben kann. Oder gehörst du auch zu den 80% der Schweizer Bevölkerung, die immer wieder oder immer Rückenschmerzen haben?

Das Becken kann durch drei Faktoren in eine Fehlhaltung gebracht werden. Einerseits durch verkürzte Rückenmuskulatur (z.B., durch Sitzen). Diese Muskeln ziehen dann das Becken den Rücken hoch. Andererseits durch die Verkürzung der Psoas-Muskeln, die tief innen durch das Becken verlaufen und die Oberschenkel und die Wirbelsäule bis hoch zum Zwerchfell verbinden (z.B., wen wundert’s, durch Sitzen), welche dann an der Wirbelsäule ziehen. Und drittens durch eine schwache Bauchmuskulatur. Eine funktionsfähige und kräftige Bauchmuskulatur würde das Becken vorne etwas hochziehen und damit stabilisieren. Mehr als oft sind es mehr als ein Faktor, die zu einem gekippten Becken führen.

Im Taiji und Qigong können wir dem entgegenwirken, indem wir die Knie nach vorne bringen. Dadurch sinkt das Becken und die untere Rückenmuskulatur kann sich eventuell längen. Die Psoas-Muskeln werden durch tiefe, lange Schritte sanft geweitet. Doch reichen diese Massnahmen für den Sitzenden Menschen? Die Antwort ist oft nein. Und die tiefe Bauchmuskulatur wird im Taiji und Qigong zu sanft trainiert. Yoga stretcht die Muskeln gezielter und trainiert die Bauchmuskeln. Im Yoga geht es jedoch um Asanas, also Positionen, also Strukturen. Was dem Yoga fehlt, sind sich aus der Mitte entfaltende Bewegungen. Fortlaufende, dynamische Bewegungen durch den ganzen Körper, durch das Faszien-System. Und diese wiederum entlasten isolierte Körper-Regionen und Muskel-Gruppen. Und diese entfalten sich durch ein freies Becken, das schwingen kann wie die Trommel einer Waschmaschine. Diese Bewegungs-Qualität also, die wir uns durch Taiji und Qigong erarbeiten.

RIVERS Was tun also? Yoga und Taiji und Qigong zu einer Hybrid-Methode kombinieren? Jein. Vielmehr geht es darum, ein System zu entwickeln, das aus unserer Zeit für unsere Zeit ist, das für sich alleine stehen kann, UND das den Praktizierenden von anderen Methoden das bietet, was diese Methoden dem Sitzenden Menschen nicht bieten können. Was ich und Katrin entwickeln, nennen wir RIVERS, weil es einen Namen haben muss. Es ist unglaublich komplex und unglaublich einfach. Es ist integrale Bewegung und natürliche Bewegung.

Wir möchten dich ermutigen, es auszuprobieren. Es ist nicht «noch etwas mehr, ich gehe ja schon in meine Stunde Yoga/Taiji/Qigong». Es ist das, was deinem Yoga/Taiji/Qigong den Kick gibt, den es noch braucht. Das deinem Körper den Impuls gibt, den er braucht. Es ist die Ergänzung, damit nicht nur dein Yoga/Taiji/Qigong besser wird, sondern dass du dich besser fühlst. Weil du dich besser bewegst.

Die aktuellen Daten findest du hier .



Buch der Bewegung

Das Buch der Bewegung

Das Buch der Bewegung spricht alle Menschen an, denen Bewegung etwas bedeutet.

Das Buch der Bewegung entwirft das Bild einer großen Bewegung. Es weitet den Blick auf einen Bewegungs-Horizont, welcher dem Menschen den Raum eröffnet, sich als ganzer Mensch frei zu bewegen und bewegen zu lassen. Wir werden Abschnitt um Abschnitt eingeladen in den «Ocean of Motion», den Ozean der Bewegung.

Wer sich bewegt, wird sich direkt angesprochen fühlen und bewegt werden. Martin Schmid führt zu einer erfüllten und inspirierten Bewegungs-Praxis und schließlich zur schlichten, unmittelbaren Bewegung hin.

«Ich habe mir dieses Buch gewünscht. Es verkörpert meine Hoffnung, dass wir uns auf uns besinnen. Dass die Trennung von Körper und Geist, Kunst und Therapie, Tradition und Moderne endlich ein Ende findet.» – Katrin Sperling

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© Martin Schmid