Open Hands | Drei Flüsse werden zu einem Fluss

Open Hands

Dreierbeziehungen

Im Open Hands bewegen wir uns immer in Dreiecken. Ich, du und das gemeinsame Interesse an Open Hands. Ein anderes Dreieck: Ich, du, wir. Ich bin ganz bei mir, ganz bei dir und ganz bei uns.

«Ich bin ganz bei mir» ist die Voraussetzung für alles, aber nicht das Ende. Es ist das Zentrieren. Ich bin zentriert und bleibe zentriert. Ich nehme mich wahr, kultiviere mich. Ich entspanne, öffne, verbinde intern unten mit oben, Mitte mit Außen. Ich integriere, bin integriert und integer, aufgerichtet und ausgerichtet.

«Ich bin ganz bei dir» bedeutet, dass ich mit meinen Händen höre. Ich stelle Fragen mit ihnen, lausche den Antworten. Ich lerne dich kennen. Ich habe nie ausgelernt, dich kennen zu lernen. Ich lerne nicht so sehr über dich, sondern von dir. Wenn du mir Fragen stellst, schenkst du dich mir. Ich kann mich dadurch selber besser kennen lernen. Ich habe nie ausgelernt, mich kennen zu lernen.

«Ich bin ganz bei uns» bedeutet, dass ich wahrnehme, was wir gemeinsam gestalten. Welche Gestalt nimmt unsere Begegnung an? Wie kann ich das Potenzial in dieser einzigartigen, einmaligen Begegnung freisetzen? Was ist unsere Beziehung? Was wird hier als Geschenk für die Welt freigesetzt?


Voll & ganz

Open HandsIch bin ganz. Bei mir.
Ich bin ganz. Bei dir.
Ich bin ganz. Bei uns.

Das Pünktlein mitten drin ist wie die Mitte, die mich ganz macht. Der Punkt ist mein Zentrum. Das Hara, das Dantian. Hier treffen wir auf ein scheinbares Paradox. Denn ich bin ganz. Bei mir. Ich als Ich bin ganz. Ich bin nicht bedürftig, ich komme mir nicht bei mir holen, was ich mir selbst nicht geben kann. Und doch bin ich auch bei oder in uns ganz. Nicht durch dich, aber in dir werde ich ganz. Nicht, weil du mir gibst, was ich mir selbst nicht geben kann. Sondern weil wir Gemeinschaftswesen sind. Erst in der Begegnung werden wir, was wir wirklich sind. Voll und ganz.

Da wo ich ganz bei uns bin und du ganz bei uns, da treffen wir uns wirklich.
Ich bin ganz. In uns.
Du bist ganz. In uns.
Wir sind ganz. In uns.

Auf jeden Fall fallen

Mein Fluss, dein Fluss, unser Fluss. Achten wir darauf, dass wir fließen. Nicht ein bisschen in der Horizontalen hin und her gleiten, wie in einem seltsamen Standard-Tänzchen. In mir fließe ich, wenn mein Körper eine Einheit ist. Der Fluss ist von der Quelle bis ins Meer Fluss. Er unterbricht sich nicht mal kurz an einer Stelle, schwupp, da ist kein Wasser, da vorne geht es weiter. Die Einheit ist das Eine, doch damit ein Fluss fließt, braucht er ein Gefälle. Um zu fließen, bin ich Gefälle. Nicht gefällig, sonst entsteht eben dieser seltsam anmutende, kraftlose Horizontal-Tanz. Gefälle bin ich, wenn ich falle. Ich falle in mich, in meine Struktur hinein. Wenn ich in mich falle, kann ich nicht rausfallen. Fallen tun wir auf jeden Fall. Die Frage ist, ob ich horizontal oder vertikal falle. Dieses In-mich-Fallen nennen wir sinken. Ich sinke in mir nach unten, wie der Sand in der Sanduhr. Sinken heißt nach Hause fallen. So komme ich ins Fließen.

Open HandsWie ermuntere ich nun dich, mein Gegenüber, auch zu fließen? Indem ich das Meer bin. Ich bin tiefer als du. Ich erhöhe mich nicht, stelle mich nicht über dich, zeige dir nicht, wie ach so toll und talentiert ich bin. Ich sinke. Sinke tiefer, als du sinkst. Ich verwurzle mich tiefer, als du verwurzelt bist. So lade ich dich ein. So entsteht ein Gefälle, ein positives Gefälle. Der eine Effekt kann sein, dass du dadurch in mich hinein fällst. Dann ist dies dein Lernfeld. Wenn du zentriert bleibst, kommst du ins Fließen. Denn du sehnst dich nach dem Meer, nach der Tiefe. Ich lade dich ein in die Tiefe. Ich lade dich ein in die Weite und die Freiheit, die in dieser Tiefe auf dich wartet. Es ist nicht meine Tiefe, es ist die Tiefe und Weite und Freiheit, die alle Menschen in sich tragen. Sie steht uns zu, sie ist in uns angelegt.

So fließen wir gemeinsam. Auf die Dreiheit Tiefe, Weite und Freiheit hin.

Das, und nichts weniger, ist Open Hands.



© Martin Schmid 2017



Sei dabei

In Korsika haben wir Zeit, uns einzulassen. Jeden Abend, wenn wir von unserem einsamen Übungsplatz zurückgekehrt sind, treffen wir uns vor dem Abendessen zu einer Runde Open Hands.